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Hans-Peter Vogt
Autor
 
 
 
Wissenswertes über den Autoren 
 

Wenn ich heute zurückdenke, hatte ich vor Mitte der 90er Jahre zum Schreiben noch keinen wirklichen Zugang. Rückwirkend weiß ich, dass ich in meiner Kindheit eine Lese- und Schreibschwäche (LRS), sowie ADHS hatte. ADHS war sichtbar, aber LRS wurde damals noch nicht als Krankheit erkannt. Beides behinderte mich sehr. ADHS ist im Umgangston auch als "Zappelphillip" bekannt. Ich war immer in Bewegung. Berüchtigt bei LRS sind dafür die Wortdreher und die Schwierigkeit, Sätze in ihrem Sinn zu erfassen. Später löste sich die ADHS völlig. Reste der LRS finden sich aber heute noch. Ich merke das bei Buchstabendrehern. Im Studium las und schrieb ich viel, aber ich war eher ein geschickter Handwerker in verschiedenen Disziplinen, als ein Schreiberling. Verschiedene Werkstoffe, Grafik, Fotografie. Polytechnik waren mein Ding. Da konnte ich mich austoben. Immerhin entdeckte ich auch die gründliche Analyse. Das half mir bei meiner Dissertation.

In den 90er Jahren gründete ich erstmals eine Monatszeitung (ein sog. Werbeblatt), und absolvierte dann 1998-2000 eine Zusatzausbildung zum Webdesigner, mit anschließendem 3-Monatspraktikum in einem Frankfurter Grafik-Design-Büro. Dann begann ich Webseiten zu bauen und eine Reihe von Online-Magazinen zu gründen. Meine Schreib- und Fotografiertätigkeit führte mich quer durch die Republik. Ich bekam im Schreiben Übung. Der Stil wurde klarer. Aus Mangel an Inserierbereitschaft von gewerblichen Kunden in der Anfangszeit des Internets begann ich digitale Reiseführer für das Fahrradfahren zu veröffentlichen. Diese Arbeit prägte die nächsten Jahre. Es sind 24 Stück geworden. Parallel dazu begann ich als Freelancer für den Kompass Verlag sehr erfolgreich Fahrrad-Reisebücher zu schreiben.

 
Im Jahr 2008 schrieb ich in nur 3 Wochen meinen ersten Roman, den ich im eigenen vogt-multimedia-verlag veröffentlichte. Es folgten 9 weitere Romanveröffentlichungen bis Ende 2017, sowie drei umfangreiche Reiseführer (Print), und ein Kunstbuch (Streetfotografie). Ein erster Wanderführer (Wutachschluchten) ist bereits Anfang 2018 erscheinen. Inzwischen liegen weitere Romanmanuskripte vor, die demnächst successive veröffentlicht werden. Heute macht mir das Schreiben Spaß. Das Fotografieren ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.
 
Allerdings bin ich seit 2014 an Krebs erkrankt. Die vorliegende Mutation ist unheilbar und kann durch Medikamente zum gegenwärtigen Stand der Forschung nur eingedämmt werden. Ich versuche, soweit möglich die verbleibenden Jahre weitere Reiseführer und Romane zu veröffentlichen. Meine Kraft ist beschränkt.
 
Seit Spätsommer 2017 sind alle Romane auch als e-Book erhältlich. Die vorliegenden Reiseführer werden bereits systematisch als e-Book konvertiert und über meinen Vertriebspartner Libreka auf den Markt gebracht. Seit März 2018 liegen bereits  5 Reiseführer als e-Book vor.
 
In meinen Büchern bevorzuge ich einen beschreibenden Stil und einen klaren Aufbau. Bisher schreibe ich meine Romane vorwiegend im Genre der realen Utopie, verknüpft mit Fantasy-Elementen, wie im Zyklus "die Macht des Tunnels". Bei den Reiseführern bevorzuge ich klare Bildaussagen und Tourenbeschreibungen, verbunden mit sauber recherchierten historischen Informationen. Bei den CD und DVD gibt es Filme, Karten und Wegbeschreibungen. Lobhudelei liegt mir nicht. Die Vorteile und Nachteile der Reise oder der Tour werden stets deutlich gemacht. Das unterscheidet meine Reiseführer von vielen anderen. Höhenprofile werden nicht beschönigt, so dass der Leser genau erfährt, was ihn auf der Reise erwartet. Auch der Kompass Verlag hat mir diese Schreibweise stets genehmigt. Das Leserpublikum würdigt diesen Stil dankbar als objektiv und aussagekräftig. Vielen Dank dafür an mein Publikum.
 
Das Oevre umfasst inzwischen 45 Veröffentlichungen (ohne die e-Books, ohne Youtube-Filme und ohne Grafiken), (Stand 1.4.2018).
 
Auf meiner 5-wöchigen Fahrradreise durch Holland
2016 am Pont du Raz (Bretagne / Frankreich)
 
Erinnerungen
 
Ich wurde 1950 in Darmstadt geboren. Damals war die Stadt vom Krieg noch fast vollständig zerstört. Das Spielen in Trümmergrundstücken und der Wiederaufbau prägten die Kindheit ebenso wie verkrustete Denkstrukturen aus den beiden vorausgegangenen Epochen der Kaiserzeit und der Hitlerära. In der Grundschulzeit waren Prügelstrafen üblich. Allerdings gab es nach dem Krieg in weiten Kreisen eine manchmal sehr scheinheilige Hinwendung zur Religiosität. Der vielbelesene Schöngeist und Onkel Wolfgang Sucker wurde als Nachfolger von Martin Niemöller als Kirchenpräsident von Hessen und Nassau gewählt. Mein Vater Johannes Vogt war Mitglied im Kirchenvorstand. Er war Handwerker, Baumeister und Bauleiter. An Weihnachten erhielt er kistenweise Geschenke von Bau- und Handwerkerfirmen. Wein, Schnaps, Wurst oder Taschenmesser. Die Mutter Elisabeth Vogt hatte eine Ausbildung als Hausarbeitslehrerin, war aber nach dem Krieg "nur noch" Hausfrau. Mit 3 Kindern hatte sie genug zu tun. Das zerstörte Haus musste auch erst einmal wieder aufgebaut werden. All das prägte mich entscheidend.
 


Im Alter von 4-5 Jahren. Trotz Vermummung erfroren die Füsse und Hände. Die Hose war aus Loden genäht und kratzte.

Als Kind spielte ich im Rinnstein, ließ Bootchen aus Rinde auf der regenüberfluteten Strasse fahren, wetzte meine Lederhose auf dem Bordstein wund ("eine Lederhose muss speckig sein"), spielte mit Murmeln, mit dem Dobsch, oder prügelte mich mit meinem Cousin Eckehard, der manchmal genauso unfair gewinnen wollte wie ich. Sanella Figuren eröffneten mir eine Spielewelt mit internationalen Motiven, egal ob Kamel, Tiger oder Känguruh. Mit Eckehard baute ich ganze Landschaften auf, durch die niemand sonst hindurchlaufen durfte.

Beim Metzger in unserer Straße erhielten wir Kinder damals immer eine Scheibe Gelbwurst, beim Krämer gab es leckere Bonbons (die damals "Knollen" hießen), frisch gebackenes Bauernbrot mit einer herzhaften Kruste, und frische Milch, die wir Kinder in 2-Liter-Milchkannen nach Hause schleppten. Einen Kühlschrank gab es damals nicht. Sauer gewordene Milch wurde in Becher abgefüllt und wurde dick. Das nannte sich Dickmilch. Auf einer wässrigen und ungenießbaren Schicht schwamm oben drauf eine fest gewordene säuerliche Molke, die wir mit einem Löffel Zucker herauslöffelten. Ausserdem hatten wir einen Garten mit Hasen, Gemüse und Obst. Silberfischchen in der Küche waren normal und wurden gnadenlos gejagt. Wie das üblich war, pflanzten der Vater, der Großvater und der Onkel auch Tabak an. Wir hatten einen zahmen Igel und einen Schäferhund, der den Igel fraß, und der später eingeschläfert werden musste. An den Wochenenden gingen wir regelmäßig wandern. Oft in den nahegelegenen Odenwald. Ich rannte viel. Burgen waren meine Traumwelt. Ich spielte in Pfützen, kletterte auf Bäume und Mauern, und focht mit gefundenen Stöcken heftige Kämpfe gegen Brennesseln. An Ostern bauten wir Nester für den Osterhasen aus Moos. An Weihnachten wurde gesungen, Flöte und Klavier gespielt. Der Zwang zum Klavierlernen ging an mir vorüber, aber die Mutter spielte oft abends noch irgendwelche Sonaten, von Beethoven oder Schubert, während ich langsam einschlief. Die Winter waren schneereich. Ich baute Schneemänner, fuhr Schlitten, oder rutschte auf Holzschiern mit Seilbindung mühsam durch den Schnee. Eine vergangene Zeit, die so oder ähnlich viele andere erlebt haben, und die heute schon fast in Vergessenheit geraten ist. "Heil" war die Zeit nicht. Die Erziehung war streng. Fehlverhalten oder zu viele Fragen wurden ernsthaft bestraft. Beliebt waren Schläge und das Einsperren der Kinder im dunklen und kalten Keller. Als der erste Konsum gegründet wurde, gab es dort auch eine Bäckerei. Meine Mutter ließ dort den Teig kneten für dutzende von Christstollen nach Dresdner Rezept. Der Konsum war allerdings auch der Tod des Krämerladens.

 

Die Grundschulzeit ging irgendwie an mir vorüber. Zuhause gab es ganz neue Erfahrungen. Die Mutter war die Chefin der Familie. Jeden Tag wurde etwas anderes gekocht, und das sehr phantasievoll. Alles, was der Garten so hergab. Wir Kinder durften Teig rühren, Bohnen schnippeln, Möhren schaben, Äpfel schälen, oder Fleisch panieren. Viel Spaß machte es, den Plätzchenteig auszurollen, oder durch die Maschine zu drehen. Das Größte war, die Reste des Kuchenteigs aus der Schüssel zu schlecken. Ich liebte es, die Tomaten frisch vom Strauch zu essen, Erdbeeren, Kirschen oder Johannisbeeren zu pflücken. Die Küche und der Garten waren die zentralen Orte für tausenderlei Geschmackserlebnisse. Es wurden auch Kirschen entsaftet, Gelee oder Marmelade in überdimensionalen Töpfen gekocht, und dann in Gläser abgefüllt. Allerdings wurden wir Kinder nur zu Vorbereitungsarbeiten herangezogen. Das Kochen selbst gab die Mutter nie an uns ab, außer mal ein sogenanntes "Kläpperei" in die Pfanne zu schlagen. Heute sagt man Rührei dazu.

 
Ich erinnere mich, dass die Großmutter offene Beine hatte. Es stank fürchterlich nach Verwesung. Sie hatte auch eine Couch, die über den Krieg gerettet worden war. Die Federn waren durchgesessen und pieksten. Auf der Couch hüpfen war verboten.
 
Eine Waschmaschine hatten wir damals nicht. Wenn Waschtag war, wurde der große Kupferkessel im Keller angeheizt, und die Wäsche mit Kernseife über das Waschbrett gezogen, später mit einem Stampfer bearbeitet. Die gewaschene Wäsche wurde im Freien aufgehängt zum trocknen. Den Duft von Kernseife und frisch gewaschener Wäsche waren ein genauso großes Erlebnis wie meine erste Märklin-Eisenbahn. Die Geräusche des Klack-Klack-Klack auf den Schienen und die Gerüche von feinem Metallstaub und Feinöl habe ich heute noch in der Nase, wenn ich nur daran denke. Natürlich gab es auch Nachbarskinder. Die Errinnerungen sind aber eher untergeordnet.
 
Nach der Grundschule erhielt ich ein Dreigang-Fahrrad und fuhr damit täglich in das etwa 6 km entfernte Gymnasium. Es gab übles Mobbing mit etlichen Opfern. Kinder, die sich nicht wehren konnten. Kinder, die aus ärmeren Gesellschaftsschichten stammten. Auch mir wurden immer wieder die Reifen zerstochen. In dieser Zeit gab es bereits einige wohlhabende Familien, und deren Kinder ließen das die anderen spüren. Viele Kinder fuhren mit der Straßenbahn statt mit dem Rad, und hatten genug Geld, um sich in der Pause am Kiosk gegenüber Süßigkeiten zu kaufen, auch wenn das damals verboten war. Ich war ein eher unterdurchschnittlicher Schüler, konnte aber stets in einigen nebensächlichen Disziplinen punkten, etwa in Erdkunde, Biologie, Geschichte, Zeichnen oder Sport. Dann starb mein Vater, und die Mutter managte das Haus und die Familie alleine weiter. Sogar in der eigenen Wohnung vermietete Mutter ein Zimmer an Studenten. Isländer, Indonesier, Schweden. Die Mieteinnahmen aus den beiden anderen Wohnungen finanzierten uns die ersten Urlaube in Österreich mit viel Bergwandern, schwimmen, oder auch Pilze sammeln. Wir spielten Federball, und das sehr gut. Für elitäre Sportarten, wie segeln, Tennis, oder Wasserski war kein Geld da. Die Kredite für das Haus mussten erst einmal abbezahlt werden. Das macht einen zum Aussenseiter. In dieser Zeit entfernte ich mich erstmals von den familiären Glaubensverpflichtungen. Ich stellte kritische Fragen über die biblischen Geschichten, auf die ich nur von  meiner 5 Jahre älteren Schwester Christina eine Antwort erhielt. Ein Kreuz gab es in unserer Schule allerdings nicht. Später lernte ich Kommilitonen kennen, die durch die strenge Schule von Mönchen und Nonnen gegangen waren. Die hatten fast alle einen Schlag. Es gab in dieser Zeit viele Verlierer.
 
Ein Erlebnis prägte mich in dieser Zeit sehr. An unserer Kirche gab es eine Jugendgruppe des CVJM, die ich regelmäßig besuchte. Dann hat der Pfarrer für uns Jugendliche eine 3-wöchige Fahrradreise nach England organisiert. Ich war damals 13. Geführt wurde die Gruppe vom ältesten Sohn des Pfarrers, der damals 16 oder 17 war. Wir besuchten u.a. London, Oxford und Cambridge. In Brighton badeten wir bei Windstärke 10 im Meer. Das war lebensgefährlich. Ich habe noch nie soviel Wasser geschluckt, wie an diesem Tag. Wir aßen Fish und Chips, bis wir kotzten, und wir wohnten jede Nacht in einer anderen Jugendherberge. Damals fuhr man dort noch auf der Straße. Radwege gab es nicht. Der andere Sohn des Pfarrers büchste eines Abends aus und trampte 100 Meilen zu einem Konzert von Roger Chapmann. Am nächsten Morgen war er immer noch nicht da.
 
Ich war froh, als ich die Georg-Büchner-Schule verlassen konnte. Es gab damals in Darmstadt eine Schule mit einem Musischen Zweig, wo man entweder Musik oder Kunst als Hauptfach wählen konnte. An der Victoriaschule machte ich denn auch mein Abitur. Brilliert habe ich damals nicht, aber im Hauptfach Kunst war ich ganz ordentlich. In dieser Zeit lernte ich auch das Fotografieren. Die Proteste gegen die Notstandsgesetze prägten auch mich, obwohl das damals in Darmstadt sehr zivil zuging, mit einer Versammlung von Oberschülern am Denkmal des Langen Ludwig. Wir machten uns vor Angst vor der Polizei mit ihren Schlagstöcken fast in die Hosen. Es blieb friedlich.
 
Eine deutliche Zäsur war die Zeit in der Tanzschule Bäulke. Mit meiner Tanzpartnerin tauschte ich nasse Küsse, und wir fummelten wie besessen. Zu mehr kam es nicht.
 
Nach einem Fehlversuch, sich an einem interdisziplinären Studiengang in Tübingen zu bewerben, beschloss ich eine Werbelehre in Frankfurt zu machen. Ich hatte Glück und fand in der HK Mc Cann Company (Frankfurt) eine Agentur mit vielen Einzelabteilungen und einem relativ fairen Umgang mit den Lehrlingen. Üblich war das damals nicht. In vielen kleinen Agenturen mussten die Lehrlinge kehren, Kaffee kochen oder Berge von Akten sortieren, statt etwas vernünftiges zu lernen. In dieser Zeit begann ich ein Fernstudium der Fotografie, das wegen Konkurs der Schule leider nach der Zwischenprüfung nicht mehr abgeschlossen werden konnte. Nach einem Intermezzo als Fotoassistent arbeitete ich in verschiedenen Berufen, u.a. in der Marktforschung und als Kamera-Assistent beim ZDF. In dieser Zeit legte ich mir auch meine erste Systemkamera zu, damals eine Canon F1. Auch eine eigene Dunkelkammer hatte ich. Dann zog ich in eine WG in Frankfurt. Das war eine Zeit, die mich sehr prägte. Es gab einige gute Musik- und Tanzkneipen. Man fuhr damals R4, 2 CV oder Käfer. Immer ging irgendetwas kaputt, und weil das Geld fehlte, reparierte man die Autos selbst. Die Heizung zog im Winter nicht, und bei Regen sah man wegen des schlechten Scheinwerferlichts nur wenig. Ich hatte eine große Liebe, von der ich viele Fotos machte, und mit der ich das Bett teilte. Gruppensex, wie in der Szene oft üblich, lag mir nicht. In dieser Zeit und den folgenden Jahren fing ich an zu leben. Ich machte viele Reisen, und das sehr oft. Ich lernte, meine Grenzen neu zu erfahren.
 
Nach etlichen Bewerbungen (u.a an der Volkwang-Schule und an den Kunstakademien in Kassel und Hamburg) erhielt ich einen Studienplatz an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt und belegte dort Kunsterziehung, Sozialkunde, Pädagogik, und die Nebenfächer Werkkunde / Polytechnik, Geschichte, Soziologie, Ökonomie und Psychologie. Es war eine sehr politische Universität, mit Professoren wie Adorno und Habermas. Ich lebte weiter in meiner WG, mit wechselnden Partnern. Darunter waren auch einige Musiker. Mein Kumpel Fritz spielte Schlagzeug und hatte Dutzende von Groupies. Um meinen Unterhalt zu verdienen arbeitete ich als Hilfslehrer in einer Gesamtschule und als Grafiker für den Jünger Verlag in Offenbach zu einer Geschichte der Architektur. Eine damalige Mitstudentin (Ulrike Dimpl) schrieb die Texte dazu. Nach dem Abschluss (den ich mit Auszeichnung absolvieren konnte) erweiterte ich das Studium mit vier Semestern Pädagogik und erhielt die Zulassung zur Promotion. Nach intensiven Forschungen begann ich parallel dazu mit dem Referendariat an einer Offenbacher Hauptschule in den Fächern Polytechnik, Kunst und Sozialkunde. Obwohl fachlich versiert, war ich in einem Schüler-Mix aus verschiedenen Ländern mit oft sehr schlechten Deutschkenntnissen und der Neigung zu Handgreiflichkeiten nicht besonders gewachsen. In dieser Zeit heiratete ich die Grundschul-Lehrerin Helga Kapp, und mein erstes Kind Sven wurde geboren. Der Abschluss des 2. Staatsexamens und der Promotion bei Professor Egon Becker waren dann nur sehr durchschnittlich. Meine geplante Karriere als Dozent konnte ich mir daraufhin abschminken. Ich verließ die Schule. Dann wurde meine Tochter Anne geboren (1983).
 
Ich begann frei im Bereich Antiquitäten An- und Verkauf, Restaurierung und Galerie zu arbeiten. Da war viel autodidaktisches dabei. Meine Ehe ging in die Brüche. Das Sorgerecht wurde der Frau zugesprochen. An den freien Wochenenden genossen meine Kinder das Basteln mit mir in der Werkstatt oder Ausflugsfahrten mit dem Wohnmobil, gerne auch in den Schnee. Ich war häufig unterwegs und pendelte zwischen Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, England und Schottland. Ich führte eine eigene Werkstatt und ein Ladengeschäft. Der Niedergang der Branche zwang mich Mitte der 90er zur Aufgabe. Das ererbte Elternhaus baute ich mit viel Eigenarbeitsanteil um und verkaufte die Eigentumswohnungen. Dann zog ich nach Groß-Umstadt, baute einen Bauernhof zum ökologischen Haus um, und gründete dort einen Großhandel und eine Monatszeitung. Ich gab beides wieder auf, zog nach Reinheim im Odenwald, und begann nach einer Zusatzausbildung zum Webdesigner eine Reihe von Online Fachzeitschriften zu gründen. Parallel dazu veröffentlichte ich eine Reihe von digitalen Reiseführern und arbeitete als Freelancer für den Kompass Verlag (Innsbruck). 2008 begann ich meinen ersten Roman zu schreiben. (siehe Kasten 1).
 
Ich lebe heute sehr zurückgezogen in Reinheim. Das ist eine kleine und ruhige Gemeinde am Rande des Odenwaldes. Ich unternehme aber immer wieder Touren, um meine Reisebücher zu recherchieren und zu schreiben. 
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Gesellschaftliche Utopien und Visionen
 
Blicken wir in der Geschichte zurück, so stolpern wir immer wieder über Kriegervölker und Völkerwanderungen. Menschen, die durch klimatische Veränderungen oder andere Umwelteinflüsse in ihrer Heimat nicht mehr genügend Nahrung gefunden haben, oder auch die Tierwelt radikal ausgelöscht haben, so dass sie gezwungen waren, sich neue Lebensräume zu suchen. Beispiele hierfür sind die Slaven oder die Dorer.
 
Es gibt andere Strömungen. Hochkulturen, etwa im Zweistromland, welche Kanäle gebaut, Palmenhaine angelegt und Wüsten bewässert haben. Die Inkas haben Terrassen angelegt, um das Millionenvolk mit Nahrung zu versorgen. Es gibt Völker, in denen die Mathematik,  die Sternenkunde oder die Medizin oder die Mystik eine große Rolle gespielt haben. Völker, die das Rad, das Geld oder das Papier erfunden haben. Völker, die Erze verhüttet haben, Gold und Eisen geschmiedet, seetüchtige Schiffe entwickelt, Pyramiden, Städte oder Stadien in gewaltigen Dimensionen gebaut haben. Geschickte Dramaturgen, die Dramen geschrieben und aufgeführt haben. Gewiss, auch Wissenschaftler, die das Schwarzpulver, die Kernspaltung, oder immer neue Vernichtungswaffen erfunden haben.
 
Aristoteles, Sokrates, Homer, oder Platon haben einmal das Denken ganzer Generationen beeinflusst. Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller und Philosophen wie Kopernikus, Galilei, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Descartes, Bacon, Kant, Voltaire, Rousseau, Newton, Marx, Einstein, Adorno, Ghandi und andere haben zumindest ihre Epoche nachhaltig beeinflusst. An der rücksichtslosen Ausbeutung der Welt und der Natur durch den Menschen hat das nichts verändert. Die Weltumseglungen waren verbunden mit dem Auslöschen ganzer Völker. Die Kolonialisierung ganzer Erdteile hat nur europäische Monarchen und Kaufleute reich gemacht. Spätestens seit der Industrialisierung und der Globalisierung erleben wir eine immer rasantere Entwicklung, mit Kriegen um Märkte und Ressourcen, wie Gold, Öl, seltene Erden, oder auch Kaufkraft, verbunden mit Kinderarbeit, mit Völkermord, mit Vertreibungen, mit ideologischem und religiösem Wahn, und wohl bald wieder mit neuen Kriegen um Wasser und um Nahrungsanbaugebiete. Die Zeit der Kolonialisierung ist nicht um. Sie ist nur in ein neues Stadium getreten, und hat neue Eliten hervorgebracht, und im Zeitalter des Internet übertrifft  die Macht der neuen Meinungsmacher die Macht der klassischen Eliten bei weitem.
 
Allerdings ist auch die Bedrohung durch gierige Eliten und durch moderne Vernichtungswaffen global geworden.
 

Anhand solcher Bedrohungen brauchen wir Utopien vielleicht dringender als je zuvor. Wir brauchen Vordenker. Wir brauchen konkrete Lösungen. Wir brauchen übergreifende Denkansätze und wir brauchen die Diplomatie. Der ehemalige amerikanische Präsident Jimmy Carter hat nach seiner Privatisierung solche übergreifenden Denkansätze gefordert. Unser gerade geschasster ehemaliger Aussenminister Gabriel war in seinen letzten Monaten als Minister auf einem guten Weg, und der frühere Aussenminsiter Joschka Fischer war in vielen Denkansätzen seiner Zeit voraus. Gehör finden sie bei den Mächtigen nicht. Stattdessen flammen an allen Ecken und Enden täglich neue Kriege und Probleme auf. Soziale Probleme werden immer unkontrollierbarer. Die Bedrohungen durch Monokulturen, Dürren, Stürme, Meerwasser-, und CO2 Anstieg, die menschliche Gier, aber auch durch radikale Gotteskrieger und Populisten werden immer ernster.

 
Weiß eigentlich jeder. Wirklich jeder? Gleichzeitig ist die Hilflosigkeit und die Ohnmacht groß. Der Mainstream walzt alles nieder. Niemand hat bisher ein Lösung parat. Folkloristische Ansätze à la Seehofer (es lebe die Lederhose) sind jedenfalls keine Lösung des Problems, und sie beseitigen auch keine Kunststoff-Müllhalden im Meer.
 
So wie es aussieht, überlassen wir unseren Kindern und  Enkelkindern eine Welt voller Chaos. Es wird Zeit für konkrete Utopien, mutige und durch-setzbare Strategien, manche davon vielleicht radikal, wenn wir die Situation wieder einigermaßen friedlich und kontrollierbar machen wollen. Denken wir daran: Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch braucht Sauerstoff, sauberes Wasser und bebaubares Land. Solange ständig steigende Umsätze das Kredo jeder Marktwirtschaft sind, und nur dem vermeintlichen Wachstum der Industriestaaten dienen, solange werden wir diese Welt nicht zu einem Besseren verändern.
 
Sie finden solche Utopien und Denkansätze in all meinen Büchern. Ein Anfang. Vielleicht. Entscheidend wird sein, ob die Menschheit solchen Ideen Gehör schenkt, und auch bereit ist, über ihren Schatten zu springen, wenn es an die Durchsetzung von Lösungsansätzen geht. Denken wir nur an den zögerlichen Umgang mit dem Thema CO2 Begrenzung. Im Moment sieht es nicht so aus, dass die Menschheit für solche Denkanstöße oder gar für konkrete Lösungsansätze bereit ist.
 
Blicke ich zurück, so haben mich Autoren, wie Upton Sinclair, Jack London, George Orwell, B. Traven genauso geprägt, wie Abenteuer-Romane (von Robinso Crusoe über Jules Verne, die 3 Musketiere, bis zu den Werken von Karl May), oder Autoren, wie Böll, Sartre, Hesse, Dürrenmatt oder Kaffka. Das findet sich noch in meinen Romanen